Melani Engelke

WWR-Frau muss sich erst einfinden

Im Rat der Gemeinde Wedemark hat eine Groko das Sagen. Vier politische Einzelkämpfer bemühen sich um Gehör. Dazu zählt auch Melanie Engelke von der Wählergemeinschaft Wedemark Resse (WWR).

Resse. GroKo ist in der Wedemark politischer Alltag. Im Rat der Gemeinde Wedemark arbeiten die beiden großen Fraktionen CDU und SPD bereits seit November 2016 zusammen. Sie handeln im Konsens und stimmen politische Entscheidungen miteinander ab. Was aber, wenn die Großen eine Sprache sprechen, haben die „Kleinen“ im Rat zu sagen? Welche Strategien entwickeln die Einzelkämpfer?
Fünf Seiten umfasst der Koalitionsvertrag, in dem die beiden Fraktionen und Gemeindeverbände die große Linie in Sachthemen festgelegt haben. Nicht erst im Rat, sondern in einem gemeinsamen Abstimmungsgremium vorher tauschen sie ihre Argumente aus; Besucher im Rat hören vielfach nur die Ergebnisse. Die Rolle der „Kleinen“ im politischen Geschäft bleibt den Zuhörern oft verborgen – sie gehen deutlich seltener ans Mikrofon.
Neun Parteien sind seit den Kommunalwahlen 2016 im Rat vertreten, vier von ihnen mit nur einem Mann oder einer Frau: Die Linke und die WGW belegen nach wie vor je einen Sitz, Bündnis C und WWR sind erstmals im Rat mit je einem Sitz. Wie sie an ihre Informationen kommen und diese verarbeiten, wie sie vernetzt sind, und wie sie sich selber sehen, das haben wir die Vertreter dieser kleinen Parteien gefragt.
WWR-Frau muss sich erst einfinden
Ihren Tablet-Computer für die Ratsarbeit hat Melanie Engelke bei der Gemeinde beantragt, aber noch nicht ausgehändigt bekommen. Sie ist ja auch erst ordentliche Ratsfrau, seit sie für die Wählergemeinschaft Wedemark Resse (WWR) im November 2017 nachgerückt ist und im Gemeinderat offiziell verpflichtet wurde. Leihweise wird den Ratsmitgliedern diese technische Mindestausstattung überlassen, wenn sie nicht alternativ über eine zusätzliche Aufwandsentschädigung selbst für ihre Vernetzung sorgen wollen.
Die Erfahrungen der 44-Jährigen mit ihren ersten Ratssitzungen sind denen von Erstbesuchern dort im Bürgersaal in Bissendorf nicht unähnlich. So freut sie sich, dass auf den Plätzen die zusammengehefteten Hinweise der Gemeindeverwaltung ausliegen, außer der jeweiligen Tagesordnung etwa die Sitzordnung des Rates und die Köpfe der Ratsmitglieder im Foto. Ganz unten rechts in der Darstellung findet Engelke ihren Namen, im Kästchen direkt neben der FDP/Bündnis C-Gruppe, und dort sitzt sie neben FDP-Ratsfrau Andrea Giese, sagt die Newcomerin.
Im Ausschuss für Finanzen, Liegenschaftsunterhaltung, Wirtschaft und Personal nehmen alle vier Einzelkämpfer aus diesem Gemeinderat ein Grundmandat wahr, dürfen teilnehmen, aber nicht abstimmen. Im Anschluss an die Sitzungen immerhin nutzen die Partei-Solisten oft die Gelegenheit zu Gesprächen. „Ich tausche mich oft mit Patrick Cordes von der Wählergemeinschaft Wedemark (WGW) aus Brelingen aus“, berichtet Engelke. Sie sieht viel Ähnliches zwischen WGW und WWR. Aber auch andere Ratsmitglieder hätten ihr schon Unterstützung angeboten – und noch mehr? Ja, es habe auch schon Andeutungen gegeben, man könne doch gemeinsam in einer Fraktion so vieles mehr bewirken.
Rechnen, Finanzen, Haushaltsfragen und Personal – „das interessiert mich besonders“, betont Engelke. Genauer hinhören will sie in der Kommunalpolitik grundsätzlich bei den Personalstellen in der Verwaltung und deren Bezahlung, bei den Kita- und Straßenreinigungsgebühren sowie bei der Frage, wie die Orte in der Wedemark mit ihren jeweiligen Projekten berücksichtigt werden. Selbstverständlich, so Engelke, werde sie auch die Ohren spitzen, wenn immer es um das Moorinformationszentrum (Mooriz) in Resse geht.
Beruflich ist Engelke als Justizangestellte beim Amtsgericht Hannover tätig und wohnt seit neun Jahren nun in dem Ort, der heute in der Öffentlichkeit fast synonym mit dem Mooriz verbunden ist und mit ambitionierten Dorfprojekten. 2015 kam sie über persönliche Kontakte zur WWR. Im Ortsrat hält die WWR drei Sitze, fast den halben Ortsrat – die frisch eingestiegene Gemeinderatsfrau ist nicht darunter. Bei den Vorstandsmitgliedern in der WWR findet Engelke jedoch das versammelte Ortswissen: Vertreten sind die Vereinsvorsitzenden des Sportvereins, der Schützen und des Automobilclubs Wedemark sowie der Ortsbrandmeister. Wie die Gemeinde Wedemark Vereinsarbeit unterstützt, ist daher eine durchgehende Fragestellung der Resser Wählergemeinschaft.
Nach wie vor würde die WWR, die dieses Ansinnen im Namen trägt, sich auch gern in anderen Orten in der Wedemark etablieren. Potentiell gemeinsame Themen sieht sie zahlreich in ihrem Köcher: Ausbau der Infrastruktur und des Glasfasernetzes, Verkehrsberuhigung, Fahrradwege, Beleuchtung entlegener Ortsteile, mehr Transparenz in der Verwaltung und Bürgernähe. Im Gemeinderat steht Melanie Engelke nach eigenen Angaben jetzt dafür.
Quelle: Neue Presse Ursula Kallenbach

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